Gestaltungswettbewerb

Im Jahr 2009 hat ein internationaler Gestaltungswettbewerb stattgefunden. 

Ziel des Wettbewerbs war der Entwurf einer welterbeverträglichen Brückenlösung, die sich harmonisch und ohne Störung des Landschaftsbildes in das Rheintal einfügt, so dass sowohl das Welterbekomitee der UNESCO und die Bevölkerung der Lösung zustimmen können.

Aus allen Bewerbern wurden zunächst zwölf Arbeitsgemeinschaften - bestehend aus Architekten, Landschaftarchitekten und Bauingenieuren - ausgewählt. Der Wettbewerbssieger wurde im Jahr 2009 in einer Wettbewerbsstufe ermittelt. Die Jury entschied, diesen Entwurf zur Realisierung zu empfehlen.

Der Siegerentwurf

Das Bauwerk fügt sich in eleganten Schwüngen in Grundriss und Ansicht mit nur geringer Beeinträchtigung in das Landschaftsbild ein. Die leichte S-förmige Grundrissform fördert die Erlebbarkeit der Landschaft. Der Entwurf sieht eine Brücke in einer S-Krümmung vor, wodurch eine geringe Höhenentwicklung mit maximal 6 % Steigung ermöglicht wird. Bei einer Gesamtlänge der Variante von etwa 580 m verfügt das Brückenbauwerk über eine Länge von etwa 480 m.

Das Tragwerk aus hellgrau eingefärbtem Stahl ist nach dem Fachwerkprinzip ausgebildet und wird von insgesamt vier Pfeilern getragen, die eine 150 m breite Fahrrinne auf dem Rhein freihalten (gefordert: 120 m). Über den Strompfeilern beträgt die Höhe des Überbaus 4,50 m (das Fachwerk über den Pfeilern ragt noch rund 2,50 m über die Fahrbahn hinaus). Die Breite der Fahrbahn ist mit zwei Fahrstreifen zu je 4,00 m geplant. Außerdem ist ein 2,75 m breiter Geh- und Radweg auf der stromaufwärts gelegenen Seite der Brücke vorgesehen.

Die Anschlüsse an die Bundesstraßen sollen auf beiden Seiten als plangleiche Einmündungen mit eigenen Fahrstreifen für Linksabbieger erfolgen. Die geschickte Einbindung der notwendigen Anrampungen innerhalb der Brückenkonstruktion vermeidet große bauliche Veränderungen im Bereich der Uferanschlüsse, minimiert umwelterhebliche Eingriffe und eröffnet damit Gestaltungsspielraum. Auf bestehende Defizite im Bereich der städtebaulichen Einbindung (Anschluss Ortsteil Fellen) wird nicht besonders eingegangen.

Mit den komplexen geometrischen Randbedingungen ist ein erhöhter Herstellungsaufwand verbunden. 

 

Der im Grundriss U-förmige Brückenentwurf mit einer schlank gehaltenen Stahlbalkenbrücke ist innovativ und optisch in seinen Tragelementen weitgehend reduziert. Das Brückenbauwerk ordnet sich der sensiblen Flusslandschaft unter und will in seiner Schlichtheit bewusst nicht dominieren. Der Entwurf hat keine Sichtbeziehung zur Loreley und nur eine geringe Beeinträchtigung der Sichtachse stromauf zur Burg Maus und dem historischen Ortsteil von Wellmich.

Die Rampen fügen sich in einem schönen Schwung zur linken Rheinseite und verbessern damit das derzeit bestehende negative Erscheinungsbild. Die Uferbereiche sind hinsichtlich der Integrierung in die Flusslandschaft gestalterisch noch vertiefter einzubinden.

Die schlanke im Grundriss gekrümmte Balkenbrücke ermöglicht sehr schlanke Flusspfeiler und ist als innovativ einzustufen. Die Werkstoffwahl Stahl ist zielführend für das schlanke Brückentragwerk. Die Konstruktionsprinzipien und Details ergeben gleichwohl eine standsichere, planbare und robuste Konstruktion für den Baulastträger.

Die Realisierbarkeit entspricht dem Stand der Technik. Die Konstruktion ermöglicht ein dauerhaftes Bauwerk. Das gleiche gilt für Unterhaltung und Prüfbarkeit. Die Wirtschaftlichkeit des Brückenbauwerks und die Renaturierung und Anlage weiterer Außenanlagen liegt im durchaus günstigen Bereich einer vergleichbaren Brücke.

Die Brücke beeinträchtigt keine Natura 2000-Gebiete. Die Rampen benutzen nur bereits beeinträchtigte Uferbereiche. Die Ufergestaltung wertet die jetzt beeinträchtigten Uferbereiche ökologisch wohltuend auf.
 

Die Arbeit besticht auf den ersten Blick durch eine ausgeprägte elegante Zeichenhaftigkeit, durch die Leichtigkeit der Konstruktion und beachtet insoweit die Ansprüche des Landschaftsbildes. Dies allerdings vorbehaltlich einer womöglich störenden Wahrnehmbarkeit der freien Seilkonstruktion von der Loreley her. Eine Qualität als Alleinstellungsmerkmal ist unverkennbar. Die asymmetrische, dem Verlauf der Topographie folgende Konstruktion unterstreicht diesen Eindruck in besonderer Weise. Eine angebotene Aussichtsplattform könnte in die Erlebniswelt des Rheinsteigs einbezogen werden.

Grundsätzlich bekannte Konstruktionsprinzipien sind in innovativer Form eingesetzt. Das Schwingungsverhalten bedarf der Überprüfung. Es ist mit einem überdurchschnittlichen Unterhaltungsaufwand zu rechnen.

Die Verkehrsanbindung ist durch eine Anhebung der beiden Bundesstraßen unproblematisch. Durch die neue Anbindung von Fellen ergibt sich eine städtebauliche Aufwertung.
 


Hintergrund

Das Mittelrheintal zwischen Koblenz und Bingen ist eine der bedeutendsten Kulturlandschaften Europas und als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt.  Das Welterbekomitee der UNESCO würdigte das Obere Mittelrheintal als „eine Kulturlandschaft von großer Vielfalt und Schönheit“.  Die Landschaft weise einen außergewöhnlichen Reichtum an kulturellen Zeugnissen und Assoziationen historischer wie auch künstlerischer Art auf. Seine besondere Erscheinung verdankt das Mittelrheintal einerseits der natürlichen Ausformung der Flusslandschaft, andererseits der Gestaltung durch den Menschen. Seit zwei Jahrtausenden stellt das Mittelrheintal einen der wichtigsten Verkehrswege für den kulturellen Austausch zwischen der Mittelmeerregion und dem Norden Europas dar. Das wirtschaftlich weitgehend vom Tourismus geprägte Gebiet ist zudem ein traditionelles Weinbaugebiet. 

Zwischen Koblenz und Mainz gibt es auf einer Strecke von rund 80 km keine festen Rheinquerungen. Lediglich sechs Fährend ermöglichen einen Wechsel zur anderen Rheinseite. Sämtliche Strukturen haben sich deshalb links- und rechtsrheinisch unabhängig voneinander entwickelt. Eine städtebauliche Entwicklung zwischen den beiden Rheinufern konnte hierbei nicht stattfinden. Die Mittelrheinbrücke hat das Potential, eine flussübergreifende Regionalentwicklung zu ermöglichen.