75 Schutzanlagen für sichere Amphibienwanderung

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Mit den steigenden Temperaturen beginnt die Wanderung vieler Amphibien zu ihren Laichgewässern. Die Routen der Tiere führen dabei auch über Straßen. Als Baulastträger ist der LBM in der Pflicht, die Amphibien vor dem Straßenverkehr zu schützen. Dies tut er mit über 75 Amphibienschutzanlagen in ganz Rheinland-Pfalz. Die Tiere werden per Tunnel unter der Straße hindurch geführt.

Wird eine Straße neu gebaut, muss vorher geklärt werden, ob Amphibienschutzanlagen benötigt werden. Dazu wird die Umgebung der geplanten Trasse zum Beispiel auf Teiche untersucht. Dann steht eine sogenannte „Amphibienkartierung“ an: Es werden Zäune aufgebaut und Fangeimer eingegraben, um zu sehen, welche Arten von Amphibien in welcher Zahl vorhanden sind. Der LBM kann dann feststellen, auf welchen Routen in der Region Amphibienwanderungen stattfinden. Mit diesem Wissen werden die Schutzanlagen geplant.

Von den älteren Straßen sind nicht alle entsprechend mit Amphibienschutzanlagen ausgestattet. Das Landesumweltministerium hat eine Liste erstellt, auf der diejenigen Straßen aufgeführt sind, bei denen noch Schutzanlagen gebaut werden sollten. Hier wird dann nachgerüstet.

Bei den Wanderungen zu den Laichgewässern überwinden die Tiere ganz unterschiedliche Entfernungen. Die Erdkröte beispielsweise wandert bis zu vier Kilometer weit, Molche legen Distanzen von bis zu 500 Metern zurück. Die Wanderung zu den Laichplätzen erfolgt gemeinsam, den Rückweg treten die Tiere dagegen in den ersten Sommermonaten alleine an. Der Nachwuchs verlässt etwas später im Sommer die Laichgewässer.

Ein besonders wichtiger Teil jeder Amphibienschutzanlage sind die Leiteinrichtungen. Sie verhindern, dass die Tiere auf die Straße gelangen und leiten sie zu den Eingängen der unterirdischen Durchlässe, die 40 bis 90 Zentimeter breit sind.

Um den Erfolg seiner Anlagen noch weiter zu verbessern, beobachtet der LBM diese sehr genau. Er beauftragt immer wieder Gutachter damit, die Einrichtungen zu überprüfen, und arbeitet eng mit Naturschutzverbänden zusammen. Unter anderem wird untersucht, welche Amphibien eine Anlage wie stark nutzen. Das Foto zeigt ein mit einem Stofffetzen markiertes Erdkrötenpaar. Durch die Markierung kann man feststellen, wie lange die Tiere für den Weg durch den Tunnel brauchen. LBM-Mitarbeiter fahren in der Wanderzeit auch häufig abends und nachts zu den Anlagen. An Straßenabschnitten mit hohem oder naturschutzfachlich bedeutsamem Amphibienaufkommen können außerdem mobile Amphibienschutzanlagen aufgestellt werden. Der LBM unterstützt den Aufbau solcher Zäune, wenn die Anlagen als erforderlich erachtet werden. Materialbeschaffung und das Aufstellen der Anlagen erfolgt dann durch landeseigenes Personal auf Kosten des Landes. Ehrenamtliche tätige Naturschützer betreuen dann die Anlagen.

Eine der wichtigsten Amphibienschutzanlagen in Rheinland-Pfalz ist die Anlage „Lauterspring“ an der L 504 in der Nähe von Kaiserslautern. Die Anlage wurde in den 1980er Jahren gebaut. Ihre Effektivität wurde in aufwändigen Untersuchungen überprüft. In den Jahren 2007 und 2008 ist sie mehrmals erweitert und verbessert worden, der LBM hat hierfür insgesamt 35.000 Euro investiert.

Rund 8000 Tiere wandern im Frühjahr durch die acht Tunnel unter Straße hindurch - das ist eine außergewöhnlich hohe Anzahl. Auf der anderen Seite der L 504 befinden sich in einem Wasserschutzgebiet ihre Laichgewässer. Sehr viele verschiedene Amphibiengattungen nutzen die Anlage: Erdkröten, Grasfrösche, Fadenmolche, Teichmolche und Bergmolche wurden bereits beobachtet, ebenso seltene und streng geschützte Arten wie Kammmolch und Grünfrosch.

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